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Klimawandel in den Ozeanen

Name: Cornelia Oedekoven

Alter: 36

Beruf:  Meeresbiologin und Ozeanographin

Arbeitgeber/Projekt: Southwest Fisheries Science Center (SWFSC) und Scripps Institution of Oceanography (SIO), beide in San Diego, USA

 

Du bist Meeresbiologin und Klimaforscherin. Woran forschst du?


Ich unternehme jährlich eine fünfmonatige Forschungsreise per Schiff in verschiedene Regionen des Pazifiks. Auf dem Schiff sind wir ein Team von rund 14 Wissenschaftler*innen, wobei jede*r sein Spezialgebiet hat. Wir versuchen, im Gesamtbild festzustellen, wie die einzelnen Bestandteile des Ökosystems miteinander verknüpft sind. Ich bin Teamleiterin der Meeressäugerspezialisten. Wir untersuchen die Bestände von Walen und Delfinen und messen Temperatur, Salz- und  Sauerrstoffgehalt des Wassers, um klimatische Veränderungen zu erkennen, die eventuell starken Einfluss auf die Meeressäuger haben könnten. Bei den Forschungsreisen geht es aber nicht nur um Meeressäuger, sondern auch um die Bestände anderer Tiergruppen wie Meeresvögel, Schildkröten und in den Tropen auch fliegende Fische und Plankton.

 

Wie sieht deine Arbeit bzw. dein typischer Tagesablauf aus?


Auf dem Forschungsschiff fängt der Arbeitstag bei Sonnenaufgang an. Dann halten wir vom Observationsdeck (das Deck über der Brücke) nach Meeressäugern Ausschau, während das Schiff seine vorbestimmten Routen im Studiengebiet abfährt. Dies tun wir bis die Sonne wieder untergeht, wobei jeder in unserem Team von sechs Meeressäugerspezialisten im Rhythmus jeweils zwei Stunden lang observiert und danach zwei Stunden Pause hat. Wir beobachten die See durch sogenannte „Big-eyes“. Das sind aufgebockte Ferngläser mit einem sehr hohen Vergrößerungsfaktor, sodass man bei gutem Wetter Delfine in zwölf Kilometern Entfernung noch erkennen kann.
Wenn wir eine Delfinschule oder einen Wal gefunden haben, geben wir die Daten in ein spezielles Computerprogramm ein, das mit einem GPS verbunden ist und die genaue Position der Sichtung ausrechnet. Dann lenken wir das Schiff dorthin, um die Art und Unterart zu bestimmen und die Anzahl und Komposition der Delfinschule so genau wie möglich zu schätzen. Im östlichen tropischen Pazifik stoßen wir häufiger auf große Schulen mit teils über 1000 Delfinen, die aus verschiedenen Arten und Unterarten zusammengesetzt sind. Richtig spannend wird es, wenn sich die Delfine gerade über einen Schwarm kleiner Fische hermachen. Oder wenn obendrein Thunfische mit den Delfinen zusammen jagen und die Beutefische an die Wasseroberfläche drängen, über die sich dann von oben her ein Schwarm Meeresvögel hermacht. Das ist dann ein richtiges Spektakel!

 

Ist der Klimawandel schon in den Meeren angekommen?


Ja, in der Tat. Die Ergebnisse unseres High Resolution XBT/XCTD Network Projekts zeigen, dass sich in den letzten 50 Jahren die Ozeane insgesamt um 0.4 Grad Celcius aufgewärmt haben. Das hört sich vielleicht nicht nach viel an. Wenn man sich die Ausmaße der Ozeane vor Augen hält, ist das aber eine enorme Wärmezufuhr. Ich kann das natürlich nicht anhand der Ergebnisse einer einzelnen Reise erkennen. Man muss sich die Ergebnisse aller Reisen über einen langen Zeitraum anschauen. Die Ozeane sind außer dem globalen Klimawandel auch einigen natürlichen Wandlungen ausgesetzt. Alle drei bis sieben Jahre zum Beispiel erwärmt sich der Ostpazifik aufgrund besonderer atmosphärischer Bedingungen stärker als im Durchschnitt. Dieses Phänomen wird El Nino genannt und wirkt sich bis in den Westpazifik aus. Diese Phänomene haben teils verheerende Auswirkungen auf die ozeanischen Ökosysteme, vor allem vor den Westküsten Nord- und Südamerikas. Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich festgestellt, dass während der El-Nino-Jahre weitaus weniger Vögel zu finden sind als in Jahren mit normalen Bedingungen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Wasser sich erwärmt hat, sodass zu wenig Nährstoffe vorhanden waren, die Nahrungskette kollabierte und die Vögel nichts zu fressen fanden.
Tatsache ist, dass circa 80 Prozent der Wärmezufuhr des globalen Klimasystems, welches sich aus Luft, Wasser, Land und Eis zusammensetzt, in den Ozeanen landet. Wie sich dies nun auf die ozeanischen Ökosysteme auswirkt, ist schwer zu sagen, da wir erst beginnen zu verstehen, wie die einzelnen Faktoren zusammenhängen.

 

Was tust du privat gegen den Klimawandel?


Ich lebe in San Diego in den USA und versuche, mein Leben so energiesparend wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel versuche ich so oft wie möglich, das Auto stehen zu lassen und fahre stattdessen mit dem Fahrrad oder gehe zu Fuß. Der öffentliche Personennahverkehr in den USA ist im Vergleich zu dem in Europa leider katastrophal. Hier ist der ganze Verkehr auf den privaten Autoverkehr ausgerichtet. Wenn ich zum Beispiel mit dem Bus von mir zuhause zu meinem Institut fahren wollte, wäre ich zwei Stunden unterwegs. Mit dem Auto sind es nur 20 Minuten. Ich versuche außerdem, sehr sparsam mit dem Wasser umzugehen. Die Wasserversorgung stellt in San Diego ein großes Problem dar, weil wir praktisch inmitten einer Wüste leben. Darüberhinaus versuche ich, in meinem Haushalt so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Die Winter sind hier moderat. Ich habe seit über zwei Jahren die Heizung nicht mehr angestellt. Die Sommer können aber sehr heiß werden, jedoch nicht über 40 Grad. Meiner Meinung nach kann man gut auf die Klimaanlage verzichten. Leider sind die Klimaanlagen in den USA sehr verbreitet und tragen stark zum extremen Energieverbrauch der Amerikaner bei. Zum Glück wird auch hier in San Diego das Recyceln immer populärer. Ich bin dabei sehr penibel und trage Plastikflaschen lieber den ganzen Tag lang mit mir herum, wenn ich unterwegs bin, um sie abends in die Recyclingtonne zu werfen, als sie direkt in der allgemeinen Abfalltonne loszuwerden, von wo aus sie bestimmt nicht recycelt werden. Die hier aufgezählten Dinge sind zwar alles nur Kleinigkeiten, aber ich denke, wenn jeder mit größerem Bewußtsein, was Energieversorgung und Klimawandel angeht, seinen Alltag bestreiten würde, dann wären wir dem Ziel schon einen Schritt näher.

Interview: Valeska Zepp

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