Französische Fahrradrevolution

In Paris  sind die Straßen fast immer verstopft. Busse und U-Bahnen sind zum Bersten voll und Parkplätze gibt es sowieso nicht genug. Die Lösung aus dem Verkehrschaos: Fahrradfahren! Oder Velorution, wie die französische Zeitung Le Figaro schrieb, als nach dem Nationalfeiertag, der an den Beginn der Französischen Revolution erinnert, den Parisern das Leihradsystem Vélib vorgestellt wurde.

Leihräder per Selbstbedienung

10.000 Fahrräder sind seit August 2007 auf 750 Leihstationen über Paris verteilt. Bis Ende des Jahres soll das Angebot sogar noch verdoppelt werden. Potenzielle Radler müssen ein Abo erwerben, das 1 Euro pro Tag, 5 Euro pro Woche oder 30 Euro für das ganze Jahr kostet. Die erste halbe Stunde ist jeweils gratis. Danach sind die Preise gestaffelt: Je länger man ein Rad ausleiht, desto teurer wird es. Das soll verhindern, dass die Räder über mehrere Tage ausgeliehen werden oder im Nirvana enden.

Die Räder können an jeder beliebigen Station geliehen und abgegeben werden. Bezahlt wird dort mit Kreditkarte. Die Räder sind schlicht aber stabil gebaut und haben eine Dreigangschaltung, Rücktritt und einen Drahtkorb für Einkäufe.

Pierre Aidenbaum, Bürgermeister von Marais, dem dritten Bezirk von Paris, sagte bei der Eröffnung von 15 Vélib-Stationen: "Es geht hier um die grundlegende Umgestaltung der Stadtkultur (...) es wurden Autos lange Zeit mit Bewegungsfreiheit und Flexibilität gleichgesetzt. Wir möchten den Leuten zeigen, dass heutzutage Fahrräder diese Funktion in vielerlei Hinsicht noch viel besser erfüllen."

Mal sehen, ob Paris zu einer Fahrradstadt wird. Das Tempo könnte ein überzeugendes Argument sein: Schneller als mit dem Auto, das wegen der vielen Staus oft nur im Schrittempo über die Boulevards tuckert, ist man mit dem Rad allemal.

Update, Juli 2009: das öffentliche Leihradsystem findet immer mehr Anhänger. In den letzten beiden Jahren wurden über 50 Millionen Fahrten mit den Rädern unternommen und sechs Millionen Kurz- sowie fast 170.000 Jahresabos verkauft! Die Ergebnisse einer Umfrage zeigen es noch deutlicher: 94% der Benutzer sind sehr oder insgesamt zufrieden. Und auch ein Langzeitnutzen scheint sich einzustellen, denn viele Benutzer ändern ihre Mobilitätsgewohnheiten: 46% nutzen weniger häufiger ihr Auto (gegenüber von 28% im Jahr 2008)! Also, es geht doch!